Bündnis 90/Die Grünen

im südlichen Emsland

Sven Giegold diskutiert über grüne Alternativen und Herausforderungen

Fossile Abhängigkeiten überwinden

07.09.26 –

Die neue Wirtschaftsministerin Katharina Reiche hat angekündigt, den Ausbau der Erneuerbaren Energien auszubremsen und stattdessen mehr auf fossile Gasimporte zu setzen. Die Grünen wehren sich gegen diesen Kurs. Im Bürgerdialog hat Sven Giegold über den Stand der Energiewende berichtet und den grünen Plan für eine „Energiewende 2.0“ zur Diskussion gestellt.

Sven Giegold war von 2021 bis 2024 beamteter Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Durch seinen beruflichen Werdegang hat er sich im Europaparlament und in verschiedenen Ausschüssen mit der Energiewende auseinandergesetzt.

Eindrucksvoll stellte er die Veränderungen bei der Energieversorgung in Deutschland und global dar. Ein weltweiter Rückgang der Atomenergie und ein großer Aufschwung bei den Erneuerbaren sind hier zu verzeichnen. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Atomenergie wird dort benötigt, wo Staaten mit dem Gedanken der militärischen Nutzung spielen. Erneuerbare Energien hingegen machen unabhängig von Autokrat:innen und Diktator:innen.

Kriege werden in der Regel wegen fossiler Energien geführt. Diese machen abhängig und erpressbar. Eine Umstellung von fossilen auf erneuerbare Energien ergibt also Sinn. Allerdings dürfen auch hier die Kosten nicht ins Uferlose steigen. Hier wäre es gut, wenn die tatsächlich genutzte Energie im Netz zu jedem Zeitpunkt bekannt wäre. Das ist jedoch wegen mangelnder Digitalisierung in Deutschland ein Problem. Es fehlt bei den Endverbraucher:innen an entsprechenden smarten Zählern. Italien hingegen verbaut bereits die vierte Generation solcher Zähler. In Deutschland hinken wir jedoch weit hinterher. Somit ist die tatsächliche Netzauslastung eigentlich nicht bekannt. Da fragt man sich, auf welcher Basis die Netzbetreiber eigentlich handeln. Hier gilt es also, stets beim Netzbetreiber nach Informationen über den Einbau solcher Zähler nachzufragen.

Statt den Ausbau der Erneuerbaren durch gesetzliche Änderungen auszubremsen und jährlich 80 Milliarden Euro an ausländische fossile Lieferant:innen zu zahlen, sollte der Ausbau der Digitalisierung und der Netze mit viel höherer Intensität vorangetrieben werden.

Die Nachbarländer fordern eine Aufteilung Deutschlands in Strompreiszonen, um nicht den überteuerten Stromtarif aus Deutschland zahlen zu müssen. Das war jüngst auch Thema der Norddeutschen Ministerpräsident:innen. Weil in Norddeutschland bekanntlich ein günstigerer Strompreis zu erzielen wäre, wenn Großspeicher schneller ans Netz gebracht werden könnten, um überschüssigen Solar- und Windstrom für die Nachtstunden zu speichern. Die angeführten Kosten für den sogenannten Redispatch fallen angesichts der Kosten für fossile Energien kaum ins Gewicht, werden aber immer wieder als Begründung angeführt.

Energiegenossenschaften und dezentrale Energienetze würden hier ebenfalls die Energiewende unterstützen und Steuergelder in lokale Kassen spülen. Im Gegensatz zur IHK sind die Handwerkskammern den grünen Plänen in Bezug auf grüne Energie ganz anders eingestellt. Denn sie bewerten die Möglichkeiten ihrer Mitgliedsunternehmen anhand der zu leistenden Arbeit im Bereich Erneuerbarer Energien. Also noch ein Vorteil für regional tätige Unternehmen, nicht nur aus der Solarbranche.

Alles in allem hat der Vortrag gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Aber auch, dass in Berlin falsche Entscheidungen unmittelbaren schlechten Einfluss auf regionale Preise, Unternehmen, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen haben. Dazu sind eigentlich alle Parteien von der Basis aus aufgefordert, gegen diese falschen Entscheidungen ihren Missmut zu äußern. Da auch im Emsland und in der Grafschaft Bentheim mehrere Bundestagsabgeordnete gewählt wurden und auch irgendwann wieder gewählt werden wollen, sollten diese ihre jetzigen Handlungsweisen überdenken und endlich Druck auf das Wirtschaftsministerium ausüben. Auch sie haben es mitzuverantworten, wenn Busunternehmen in unserer Region ihre Anstrengungen trotz höherer Investitionen in klimafreundliche Busse noch nicht vollends umsetzen können.

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