Bündnis 90/Die Grünen

im südlichen Emsland

Rede zur Wärmeplanung im Stadtrat Lingen

Warum die kommunale Wärmeplanung unser Kompass für die Zukunft ist

23.04.26 – von Olesa Schleicher-Deis –

Sehr geehrte Ratsvorsitzende,
sehr geehrter Oberbürgermeister Dieter Krone,
sehr geehrte Verwaltungsmitarbeitenden,
sehr geehrte Ratskolleg:innen,
sehr geehrte Gäste
und sehr geehrte Presse,

zunächst einmal: Ich freue mich sehr, dass die Stadt Lingen diesen Schritt gegangen ist und nun eine kommunale Wärmeplanung vorliegt. Denn damit haben wir erstmals eine fundierte Grundlage, die uns zeigt, wo wir stehen – und wo wir genauer hinschauen müssen. Und eines ist dabei ganz deutlich geworden – und das muss man auch so klar sagen:
Unsere Wärmeversorgung hängt heute zu rund 90 Prozent am Gas. Das ist eine enorme Abhängigkeit – und sie ist weder klimatisch noch wirtschaftlich zukunftsfähig.

Gleichzeitig zeigt die Wärmeplanung aber auch: Wir haben vor Ort sehr gute Voraussetzungen für eine klimaneutrale Wärmeversorgung. Industrielle Abwärme, Umweltwärme, erneuerbare Energien – die Potenziale sind da. Die Frage ist also nicht, ob wir Möglichkeiten haben – sondern ob wir sie nutzen.

Und vielleicht noch einmal ganz grundsätzlich: Was ist diese kommunale Wärmeplanung eigentlich – und was ist sie nicht?
Sie ist kein Bauprogramm. Sie ist kein fertiger Maßnahmenkatalog für jede Straße. Sie ist ein strategischer Plan auf übergeordneter Ebene. Sie zeigt uns:

  • Wo sich Wärmenetze lohnen könnten
  • Wo eher dezentrale Lösungen sinnvoll sind
  • Wo wir genauer hinschauen müssen
    Sie ist damit sozusagen der Kompass – nicht schon der fertige Weg. Und genau das ist ihre Stärke.

Ich habe in der Diskussion gehört, dass gesagt wurde, man habe „keinen Plan gesehen“. Doch – wir haben einen Plan. Nur eben keinen Detailplan für jede einzelne Maßnahme. Und das ist auch richtig so. Denn die nächsten Schritte bestehen genau darin, die identifizierten Potenziale gezielt weiter zu untersuchen – mit Machbarkeitsstudien, Fördermitteln und konkreten Projekten.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Die kommunale Wärmeplanung ist nicht gleichzusetzen mit dem Bau von Wärmenetzen. Sie schafft zunächst Orientierung und Planungssicherheit – und genau das ist entscheidend. Denn diese Planungssicherheit brauchen wir dringend – auch mit Blick auf Investitionen. Durch die wechselnden Signale auf Bundesebene, durch Diskussionen über eine Rückkehr zu fossilen Energien, entsteht aktuell Verunsicherung. Und diese Verunsicherung führt dazu, dass Investor:innen und Unternehmen zurückhaltender werden. Dabei brauchen gerade Investitionen in Wärmeinfrastruktur Verlässlichkeit über viele Jahre.

In der Diskussion wird auch häufig davon gesprochen, was Bürger:innen angeblich suggeriert wurde. Ich frage mich: Wer hat hier eigentlich wem etwas suggeriert? Das Gebäudeenergiegesetz hat keine Wärmenetze versprochen. Es hat keine einzelne Technologie vorgeschrieben. Was wir aber erlebt haben, ist eine stark zugespitzte Debatte – mit viel Verunsicherung und teilweise auch falschen Darstellungen.

Ein weiterer Punkt sind die Kosten. Natürlich sind Investitionen in neue Infrastruktur hoch. Aber die entscheidende Frage ist doch: Was kostet es, nicht zu investieren? Wir haben in der Vergangenheit enorme Summen in fossile Infrastruktur gesteckt – in Gasnetze, in Pipelines. Auch das waren Investitionen über Jahrzehnte. Und sie sind nicht risikofrei gewesen – das sehen wir heute sehr deutlich.

Die Energieökonomin Claudia Kemfert weist immer wieder darauf hin, dass fossile Energien langfristig nicht günstiger, sondern teurer und unsicherer werden. Wer heute weiter auf Gas setzt, verschiebt die Probleme nur nach hinten – und macht sie am Ende größer.

Ein Blick nach Baden-Württemberg zeigt übrigens, was passiert, wenn man früher beginnt: Dort ist die kommunale Wärmeplanung bereits seit 2020 verpflichtend. Und viele Kommunen sind heute deutlich weiter in der Umsetzung – auch weil früh Planungssicherheit geschaffen wurde.

In Niedersachsen haben wir uns das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden. Die kommunale Wärmeplanung ist dafür ein zentraler Baustein. Aber sie ist eben auch nur der Anfang.

Jetzt geht es um die Umsetzung. Und dabei reicht es nicht, nur die Bürger:innen zu informieren. Wir müssen die gesamte Wertschöpfungskette mitnehmen: Handwerk, Planung, Energieberatung – alle, die die Wärmewende vor Ort umsetzen. Denn es geht nicht nur um Information – sondern um Orientierung und gemeinsame Ausrichtung.

Die Herausforderung ist groß. Aber genauso klar ist: Die Risiken des Nicht-Handelns sind größer.

Deshalb sollten wir die kommunale Wärmeplanung genau so verstehen, wie sie gedacht ist: als strategische Grundlage, als Orientierung – und als Startpunkt für konkretes Handeln.

Vielen Dank.

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Energie | Lingen | Stadtratsfraktion Lingen | Umwelt & Klima | Wohnen

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