08.09.2016

Zur AFD-Gegendemonstration schreibt Timo Kreusch-Vartmann

Undemokratisch?

Ich habe mich gestern als Privatperson, aber auch erkennbar als Grüner an der Gegendemo zur Kundgebung der AfD beteiligt. Das gellende Pfeifkonzert der beteiligen Gruppen, Bürgerinnen und Bürger hat seine Wirkung nicht verfehlt. Die Redebeiträge der AfD-Politiker waren akustisch ungefähr genauso gut zu verstehen, wie sie üblicherweise inhaltlich sinnvoll sind, nämlich gar nicht. Das kann man meiner Ansicht nach auch behaupten, ohne dass man sie reden gehört hat, denn sie sagen immer das Gleiche, selten etwas Wahres, liefern kaum belastbare Argumente und Schuld sind die Asylanten, Frau Merkel und überhaupt „die da oben“. Die Programme der AfD-Gliederungen sprechen für sich und verlangen nicht danach, auch noch gehört zu werden.
Ist es undemokratisch, jemanden niederzupfeifen, der sich äußern will? Ja, das ist es. Oder besser: Das wäre es, wenn die AfD zu einer Diskussion eingeladen hätte. Hat sie aber nicht. Sie wollte eine Kundgebung veranstalten. Mittels Technik und erhöhter Position auf der Bühne unwidersprochen auf Zuhörer, nicht Diskussionspartner, herabreden. Das müssen sie, wegen der Sache mit der Demokratie, auch dürfen. Es standen halt nur – aus AfD-Sicht – die Falschen da unten. Wir Grüne haben uns lauthals beteiligt, wie viele andere auch. Und zusammen haben wir unsererseits kundgetan, dass wir hohle, menschenverachtende und saudumme Phrasen von AfD oder sonst wem auf unserem Marktplatz nicht hören wollen!
Wenn die AfD hätte diskutieren wollen, gestern Abend war in Lingen eine gute Gelegenheit dazu. Beim „Kaffeeklatsch“ im Lookentor wurden zeitgleich zu den Kundgebungen von AfD und uns „hohlen […] neuen Nazis“ (O-Ton Gauland) Kandidaten der zur Kommunalwahl antretenden Parteien von vorwiegend jüngerem Publikum zu ihrem politischen Engagement Lingen befragt. Da ging es um einen konstruktiven Beitrag, um Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen. Man hätte da mitdiskutieren, womöglich ernst genommen werden können. Die AfD war naturgemäß nicht da.

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